Mentale Faktoren  

 
Zur Einführung einfach mal  ein paar Anregungen.
Tischtennis gehört zu den schnellsten Sportarten der Welt. Es ist also absolut notwendig körperlich fit zu sein um hier erfolgreich zu sein. Neben den körperlichen Eigenschaften wird aber in den letzten Jahren auch immer mehr Wert auf die Entwicklung der mentalen Fähigkeiten gelegt.  In meiner nun doch langjährigen Tatigkeit als Trainer habe ich mir oft die Frage gestellt, warum spielen Menschen im Training wie Weltmeister um dann in der Meisterschaft um Klassen schlechter zu spielen.
 
Ich möchte dies mit Seiltanzen vergleichen. Seiltanzen ist ganz einfach, wenn das Seil am Boden liegt, es besteht keinerlei Gefahr dass ich runter falle, mir Gedanken mache, dass ich mich verletzen könnte oder sonstige negative Gedanken aufkommen. Seiltanzen am Boden ist einfach leicht. Wenn das Seil  nun aber auf 10M Höhe gespannt wird, sieht die Sache schon komplett anderst aus. Plötzlich fange ich an zu denken, nichts ist mehr mit der Lockerheit, Gedanken der Angst sich zu verletzen tauchen auf und ich verkrampfe.
 
Und genauso verhält es sich mit Tischtennis. Solange ich einfach drauf losspiele (Seil am Boden) mache ich mir keine Gedanken ob ich verlieren könnte, ich spiele einfach, und siehe da es funktioniert. Ich habe in meiner Zeit als Spieler einige kennengelernt, die mich im Training permanent geschlagen haben,(aber nur im Training).
Sobald es jedoch um Wettkämpfe geht, (Seil in 10m Höhe) verändert sich die Denkweise, man fängt an zu denken. Und diese Gedanken sind meist negativ und schwächen uns. Man sollte in Tischtennis nicht denken sondern nur spielen.
Als Werner Schlager Weltmeister wurde, lag er im Viertelfinale im entscheidenden fünften Satz bereits  zurück und hatte Matchpunkte gegen sich. Wenn er hier daran gedacht hätte, er könne verlieren wäre er nicht Weltmeister geworden. 
Er wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen, in seinem Kopf war nur ein Gedanke. Ich will dieses Spiel gewinnen.  Und genau darum geht es wenn man über Mentale Stärke spricht.
Was geht in meinem Kopf während eines Spieles vor, und sind diese Gedanken hilfreich oder hindern sie mich daran mein bestes Tischtennis zu spielen. 
  
Tipp  Nr1)  Spielen Sie immer nur einen Punkt nach dem anderen.
 
Dies verhindert dass man ins grübeln kommt. 
 
Sie müssen sich klar werden, was sie ihr Denken kostet!  
 
Stellen sie sich vor es steht 8:6 im fünften Satz für ihren Gegner und sie haben gerade eine 100% Punktchance vergeben und es steht nun 6:9. Sie können nun schimpfen, sich selbst niedermachen, und sich vorwerfen dass sie unfähig sind. (Sehr viele reagieren so).
Verbessert sich dadurch ihre Chance diese Spiel zu gewinnen? Eher nicht, und trotzdem reagieren wir mit Ärger und nehmen uns damit die noch verbleibende Chance.
(Was man tun kann um solche negativen Emotionen in positive Energie umzuwandeln,wird  ein wichtiger Bestandteil in den nächsten Artikeln
      
Wenn ich ein Spiel Punkt für Punkt spiele, hat jeder Punkt die gleiche emotionale Bedeutung. Ein Punkt entscheidet nicht das Spiel und ich bleibe emotional in einem ausgeglichenen Zustand. Es ist gerade bei Weltklassespieler immer wieder zu sehen, dass sie bei 10:10 ihr bestes Tischtennis abliefern.
 
Und hier sind wir beim nächsten Punkt: Aufbau von Selbstvertrauen!
 
Es gibt Menschen die sind einfach von sich so überzeugt dass sie an diesem Punkt nicht arbeiten müssen, allerdings sind diese eher die Ausnahme.
In meiner Zeit als Nachwuchstrainer gab es in Innsbruck  immer ein Internationales Turnier an dem auch absolute Weltklassespieler wie Ding Yi  oder Andre Grubba  teilnahmen. 
Diese Spieler ließen uns in den ersten Runden meist "Leben" und machten erst ernst wenn sie untereinander spielten.  Ein sehr talentierter tiroler Nachwuchsspieler durfte nun gegen einen Weltklassespieler ran. Er spielte auf Tisch eins und natürlich schauten wir uns dieses Spiel an.  Er verlor den ersten Satz (damals noch bis 21) 21:17 kam zu uns rüber und sagte: Ich habs euch gleich gesagt, so viel besser ist,er nicht. Diesen Spieler musste man mental nicht aufbauen, denn er war von sich überzeugt. (Allerdings litt seine Selbsteinschätzung darunter :-)) ) 
Selbstvertrauen ist wichtig, und eine realistische Selbsteinschätzung ebenfalls. 
Sein Gegner hatte unsere Unterhaltung gehört, grinste nur kurz und der zweite Satz dauerte keine 5 Minuten und endete 21:3. Dieser Spieler musste nicht zeigen was er kann,denn er wusste genau welches Niveau er spielen kann und erteilte dem Nachwuchsspieler eine Lektion.
Wenn man von seinem Qualitäten überzeugt ist, muss man seinen Gegner nicht vernichten,es reicht das Spiel zu kontrollieren. Und ein Spiel kann man nur dann kontrollieren wenn man sich selbst vertraut. Ich weiß was ich kann, kenne meinen Spiellevel und ich weiß wo ich stehe !!!!.
Hier möchte ich noch auf etwas hinweisen. 
Es gibt immer wieder Spieler die in der Rangliste vorn dabei sein wollen, und keine Niederlage gegen die Topspieler erhalten, indem sie solche Partien auslassen. Eine weitere beliebte Möglichkeit ist es in den Begegnungen sich so aufzustellen dass man gegen den stärksten Spieler der Gegner nicht dran kommt. Mit solchen "Tricks"  kann man seine Ranglistenposition sicherlich "aufmöbeln". 
Allerdings übersieht man dabei eine wichtige Kleinigkeit!
Selbstvertrauen bedeudet: Kann ich mir selbst vertrauen.
Solche Erfolge in der Rangliste sind nichts wert, denn ich weiß dass ich den guten Spielern aus dem Weg gegangen bin!!. Wenn ich nun bei einem Turnier auf solch einen Spieler treffe habe ich mental sehr schlechte Karten. Denn dieser Spieler hat sich seinen Ranglistenplatz verdient, und dabei sein Selbstvertrauen gestärkt. Er vertraut sich selbst!!! 
 
Man sollte die Möglichkeit nutzen, gegen bessere Spieler anzutreten, denn ein Sieg gegen solche Spieler bringt mehr  Selbstvertrauen als 20 Siege gegen "schlechtere" Spieler. Selbst vertrauen ist nichts anderes als dass ich weiß ich kann mich auf mich selbst verlassen.und das kann man genauso trainieren wie zb. einen Vorhandtopspin.
 
Eine Übung zur Verbesserung ihres Selbstvertrauen.
 
Trinken sie eine Woche nur Wasser,  kein Alkohol , keine Fruchtsäfte, kein Cola nur Wasser! Sie können sich auch vornehmen keine Süssigkeiten zu essen.
Aber halten sie diese Woche durch. Oder nehmen sie sich vor ein Monat jeden Tag vor 08.00 uhr 5 Liegestütz zu machen.
Diese Übungen hören sich so leicht an, aber sie werden sich wundern wie sich zb. bei den Liegestützen nach 3 Wochen sich ein Widerstand regt  dies 4 Wochen durchzuziehen.
Wenn sie die Übung erfolgreich abgeschlossen haben, werden sie sich selbst mehr vertrauen und auch dies ins Tischtennis umsetzen können, einfach mal ausprobieren.
(Mut zu neuen Verhaltensweisen)
Falls dies funktioniert hat, nehmt euch vor bei jedem Training 10 Minuten Service zu trainieren. :-))       
 Ihr werdet Vertrauen in euer Service bekommen, und diese auch bei 10:10 abrufen können.
Selbstvertrauen ist also nichts anderes, als eine Eigenschaft (zb. Service) immer und immer wieder abzurufen, solange bis man nicht mehr denkt und es einfach macht.             
Tipp Nr. 2)
Solange ihr bei einer Sache (zb. während eines Service) denkt, fehlt euch dass Vertrauen in diese Tätigkeit und ihr werdet verkrampfen. Stellt euch vor wie ihr autofahren gelernt habt, Kupplung drücken Gang rein, Gaspedal langsam loslassen usw. das war Stress pur. Nach einem Jahr autofahren musste man nicht mehr nachdenken, alles ging von selber.
Und die Lösung lautet: Dinge solange zu wiederholen bis sie automatisiert sind.!!!
Abläufe die ich automatisiert habe, funktionieren weil ich sie unbewusst (ohne zu denken) mache.
Der erste  Schritt um sich zu verbessern, ist also üben,üben,üben!!!
Dies klingt absolut logisch und trotzdem muss ich auf dem Unterschied zwischen Üben und spielen eingehen. Üben bedeudet eine Fertigkeit zu automatisieren, spielen bedeudet den gelernten Status zu halten. Dadurch wird man jedoch nicht besser. Viele Spieler gehen wöchentlich brav 2 mal zum Training,aber sie trainieren nicht. Sie spielen sehr oft immer mit den gleichen Spielern, man kennt den Spielstil des Gegners schon auswendig. Zusätzlich will man diese Spiele auch noch gewinnen, also spielt man genau das was man immer spielt. Hier fehlen die neuen Erfahrungen!!. Wenn man schon nicht trainiert, dann sollte man diese Spiele dazu nützen, um neue Ansätze auszuprobieren. Hier sollte es dann egal sein ob man diese Trainingsspiele gewinnt oder verliert, gewonnen hat man dann wenn man neue Erkenntnisse aus den Spielen mitgenommen hat.
Ich "predige" in meiner Trainigsgruppe  immer wieder das man in den Trainingsspielen das umsetzen soll, was man übt (üben schafft vertrauen). Anwenden ist der Schritt von der Theorie in die Praxis.
Aber bei dieser Anwendung "happert" es des öfteren.  Ich beobachte oft das ein Spieler den Rückhandtopspin übt um dann (Anwendung) im Spiel auf der Rückhand schupft!!! 
Kein Mensch käme auf die Idee nach einer Fahrstunde, wenn man die möglichkeit hat mit dem Auto noch einwenig praxis zu sammeln zu sagen: Ich geh lieber zu Fuß.
Aber genau so verhält es sich mit dem üben des Rückhandtopspin (Fahrstunde) und dem anschließenden Rückhand schupfen (zu fuß gehen).
 
Es muss jedoch einen Grund geben warum ich am alten bekannten (Rückhand schupfen) festhalte, und nicht das mache was ich eigentlich machen will (Rückhand Topspin)
Hier sind wir nun bei einem weitern Punkt der uns daran hindert besser zu werden.
 
Angst vor Fehlern und die Macht der Gewohnheit
 
Wir sind so geschaffen, das wir das was wir gut können tun, und das was  wir nicht können vermeiden. Das was wir permanent machen wird zu einer Gewohnheit, die wir abrufen können ohne nachzudenken. (ohne nachzudenken bedeudet automatisiert).  Diese Gewohnheiten erlauben uns Dinge zu tun ohne darüber nachzudenken.
Greift man das Beispiel mit Autofahren auf, so sieht man dass man nach einiger Zeit,  problemlos neben Autofahren musik hören, oder sich mit dem Nebenfahrer unterhalten kann, da ich auto fahre ohne nachzudenken.  Dies erlaubt es uns viele Dinge zu tun ohne sich anzustrengen.  Solange ich Dinge tue die ich kenne befinde ich mich in einer sogenanten Komfortzone. Hier fühle ich mich wohl und ich bewege mich sicher.
Auf Tischtennis umgemünzt bedeutet dies zb. Ich spiele mein Service  mit  Unterschnitt in die Rückhand des Gegners, kommt der Ball mit Länge auf meine Vorhand spiele ich Vorhand Topspin und auf meiner Rückhand spiele ich einen Schupfball. 
Wenn ich nun mein Spielsystem ändern will, also zb. in der Rückhand auch mit Topspin zu arbeiten muss ich meine Gewohnheit (Komfortzone) verlassen und dies bedeudet für uns Stress und Unsicherheit.  Man kann Gewohnheiten  nicht so einfach abzuschütteln, sondern man muss sie Tag für Tag bearbeiten. Deshalb ist es zb. auch so schwer rauchen aufzuhören.  Wenn ich eine Gewohnheit verändern will , dauert es 30 Tage bis sich die Gewohnheit abschwächt und Platz für neues ist. Wenn ich also es schaffe länger als 30 Tage nicht zu rauchen steigen meine Chancen dass ich es schaffe aufzuhören zu rauchen.
Neben der Tatsache dass es Anstrengung bedeudet eine neue Gewohnheit zu installieren, kommt nun noch  etwas hinzu was es  uns zusätzlich erschwert dran zu bleiben. Unser Spiel wird nicht besser sondern erstmal schlechter und das obwohl wir trainieren. Das bringt uns noch mehr Stress, denn wir ja eigentlich vermeiden wollen. Wir wollen erfolge sehen, und zwar schnell.   
 Warum läuft es dann schlechter!!
Ganz einfach, weil meine neue Technik noch nicht funktioniert, ich mit meinen Rückhandtopspin noch zuviele Fehler mache, und ich plötzlich auch mit dem Rückhandschupfball mehr Fehler mache als gewohnt. Hier kommen viele zum Entschluss das bringt nichts, gehen wieder in ihre Komfortzone (Schupfball) und lassen außer acht dass es zeit benötigt um eine neue Fertigkeit anzuwenden. Nehmen sie sich hier als Hilfe den Satz:
Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut zu herzen.  
 
Man sollte also neue Techniken nicht  unbedingt wahrend der Wettkampzeit starten.
Damit beende ich meinen ersten Artikel. Ich hoffe ich habe euer Interesse für den Mentalen Bereich geweckt. Ihr könnt mir auch gerne mitteilen (Email ,Forum) welche Themen für euch von Interesse sind, damit ich darauf eingehen kann.
     
Im nächsten Artikel gehe ich auf folgende Themen ein:
 
- Angst vor dem verlieren, oder wie ist meine Erwartungshaltung 
- Warum es leichter ist gegen stärkere Gegner gut zu spielen
- Spiele gegen Materialspieler gewinnt man im Kopf 
 

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Mentale Faktoren: Fragen und Meinungsaustausch

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